Seife als Dünger für seltene Sorten klingt komisch? Natürlich ist das nicht wortwörtlich gemeint, aber vielleicht haben Sie schon die Vermutung, dass in diesem Spruch ein wahrer Kern steckt. Die Seife können wir auch durch jedes andere Produkt aus unserem Denns BioMarkt ersetzen.

Ernährung wird durch sie erst abwechslungsreich: die Vielfalt von Obst, Gemüse und Getreide in all ihren Formen, Farben, Geschmacksausprägungen. Entstanden ist diese große genetische Vielfalt jedoch nicht von allein. Sie ist das Ergebnis planvoller Züchtung von Nutz- und Kulturpflanzen der letzten Jahrhunderte.

Durch die Konzentration auf Hochleistungssorten, die mit Hilfe von Mineraldünger und chemisch-synthetischen Pestiziden nahezu weltweit angebaut werden können, ist dieser Sortenreichtum erheblich geschrumpft. Dabei brauchen wir genau diesen Reichtum, aus dem auch noch nachfolgende Generationen schöpfen können, um starke und widerstandsfähige Sorten zu erhalten.

Die ökologische Landwirtschaft geht sorgsam mit Ressourcen, Saat und Pflanze um. In der Ökopflanzenzüchtung werden die Zelle und das Genom als unteilbare funktionelle Einheit respektiert. Gentechnik wird deshalb komplett ausgeschlossen.

Die ökologische Pflanzenzüchtung setzt auf nachbaufähiges Saatgut. So bleiben Landwirt*innen unabhängig von großen Saatgutkonzernen und können ihr Saatgut selbst vermehren.

Engagierte Ökozüchter*innen erhalten und stellen die Vielfalt an Pflanzensorten wieder her. Sie züchten Pflanzen, mit einer ausgeprägten Resilienz, die sie für verschiedene Bodenverhältnisse und die sich verändernden Umwelteinflüssen wappnet. Resiliente Pflanzen passen sich an Klimaschwankungen an und sind weniger krankheitsanfällig. Perfekt für die ökologische Landwirtschaft!

Mit vereinten Gärten

Neue Sorten zu entwickeln ist ein aufwändiger Prozess. Das Mitmachprojekt „Mit vereinten Gärten“ greift das Potential von toleranten Salatsorten auf und bietet einen Ansatz, der offen und gemeinschaftlich ist. Hinter dem Projekt stehen Sativa und die Stiftung ProSpecieRara. Auf der Basis von traditionellen, alten Sorten mit Mehltautoleranzen wurden seit einigen Jahren neue Kreuzungslinien entwickelt und selektiert.

Damit der Salat mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Mehltaustämmen in Berührung kommt, ist es notwendig, dass die Salatlinien an einer Vielzahl von Standorten in Mitteleuropa angebaut werden. Nur mit diesem Versuchsanbau ist es möglich, das ökologische Verhalten der neuen Sorten zu verstehen. Erst dann sind eine Auswahl oder neue Kreuzungen sinnvoll und die Suche kann fortgesetzt werden.

Jedes Jahr können sich (Hobby-)Gärtnerinnen zum Projekt anmelden. Anschließend erhalten alle Teilnehmenden Post mit Informationen und dem Versuchssaatgut. Von Juni bis September werden die Jungpflanzen vorgezogen, eingepflanzt und gepflegt. Alle Gärtner*innen sind dazu aufgerufen, ihre Beobachtungen zum Mehltaubefall zu notieren und an „Mit vereinten Gärten“ zurückzumelden. 

Nach dem zweiten Versuchsanbau 2020 konnten sieben mehltautolerante Linien identifiziert werden. Vier dieser Linien wurden im Jahr darauf erneut getestet. 2022 gehen die zwei daraus hervorgegangenen Favoriten erstmals in die Saatgutvermehrung und den großflächigen Praxistest bei Profianbauer*innen. „Wenn alles gut läuft, können wir 2023/24 die ersten zwei neuen mehltautoleranten Sorten anmelden.“, freut sich Züchterin Charlotte Aichholz, die für den wissenschaftlichen Teil des CitizenScience-Projektes verantwortlich ist.

Mit bunten Blüten für mehr Biodiversität


Eingeschleppte, gebietsfremde Pflanzenarten bedrohen weltweit viele Ökosysteme. Die Folge: Eine uniforme und arme Landschaft, die wenig Nahrungsgrundlage für unsere heimischen Insekten bietet.

Einen wertvollen Beitrag zum Erhalt von Artenvielfalt und Biodiversität in der Region leistet hier die Verwendung von gebietseigenem Saatgut aus Wildpflanzensamen zur Begrünung von Flächen in der freien Natur. Dabei handelt es sich um heimische Pflanzenarten, wie sie sich in der Natur über Generationen selbst entwickelt haben. Der Samen dieser Wildpflanzen wird mechanisch und schonend von geeigneten Spenderflächen gewonnen, um dann an anderer Stelle innerhalb des gleichen Naturraums wieder ausgesät zu werden.